Jana Schlosser – Podcast – #40 Schriften auswählen

Doch lie­ber hören?

Und hin­ter­las­se mir ger­ne eine Bewer­tung 😉 … DANKE.

Snack­able bei Apple Pod­cast

Snack­able bei Spo­ti­fy

Snack­able bei Goog­le Podcast

Snack­able bei you­tube

#40 Schriften richtig auswählen

Eine Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten

„Schrift ist das Kleid der Sprache.“

Das sag­te Erik Spie­ker­mann (Deut­scher Gra­fi­ker und Typo­graf). Als ich die­ses Zitat zum ers­ten Mal hör­te, muss­te ich lächeln. Stimmt irgend­wie. Schrif­ten haben Cha­rak­ter. Mal sind sie tra­di­tio­nell, mal illus­tra­tiv, mal futu­ris­tisch und manch­mal echt kon­ser­va­tiv. Und sie haben Eigen­schaf­ten: pla­ka­tiv, laut, lei­se, anzie­hend, absto­ßen, leser­lich und manch­mal auch unleserlich.

Doch eins eint irgend­wie alle Schrif­ten: Sie wer­den nicht gese­hen. Denn was wir wahr­neh­men, ist der Inhalt, den sie uns dar­bie­ten. Aber wie sie die­sen Inhalt prä­sen­tie­ren, das bemer­ken wir kaum bewusst.

Ist es also egal, wel­che Schrift du wählst, um die Inhal­te dei­ner Web­site zu prä­sen­tie­ren? Oder dei­nes Buches? Oder in der Prä­sen­ta­ti­on oder, oder.

Will­kom­men zu einer neu­en Epi­so­de von SNACKABLE – häpp­chen­wei­se Gra­fik­tipps. Mein Name ist Jana Schlos­ser und ich bin gestal­ten­de Bera­te­rin und Gra­fik­de­si­gne­rin. Und mei­ne ganz gro­ße Lie­be gilt der Typo­gra­fie oder anders aus­ge­drückt: dem Umgang mit Schrift. Und da ich die so lie­be, sehe ich nicht nur die Leben­dig­keit der ver­schie­dens­ten Schrif­ten und ihrer Cha­rak­te­re. Son­dern lei­der auch vie­le, na, ich will mal sagen: No-goes.

 

Wonach wählt man eigentlich eine Schrift aus?

Bevor ich dir gleich ver­schie­de­ne Wege zum Schrif­ten aus­wäh­len erklä­re, nimm dir kurz Zeit und schau dir Schrif­ten in ver­schie­de­nen Medi­en an. Nimm dir z.B. ein Fach­buch, eine Zei­tung, einen Roman, eine Zeit­schrift und eine Web­site. Und ach­te ein­fach nur auf die Form der dort ver­wen­de­ten Schrif­ten. Denn wie zu Anfang gesagt, bemer­ken wir bewusst gar nicht, ob die Schrift dick, dünn, line­ar, ver­schnör­kelt oder mit Seri­fen ist (Seri­fen sind die­se Häk­chen an den Strichenden.).

Im All­ge­mei­nen wer­den Roma­ne mit Seri­fen­schrif­ten gesetzt, Über­schrif­ten in Tages­zei­tun­gen groß und fett. Pla­ka­te oder Medi­en, die nur sehr wenig Text ent­hal­ten, wer­den oft mit extrem unge­wöhn­li­chen Schrif­ten ver­se­hen. Fakt ist: es gibt tau­sen­de ver­schie­de­ne Schrif­ten, die vie­le ver­schie­de­ne Eigen­schaf­ten transportieren.

 

Fünf Aspekte, die du in deiner Schriftwahl beachten solltest

Die Schrift­an­mu­tung oder ihr Cha­rak­ter und die Asso­zia­tio­nen
Zual­ler­erst soll­test du dir bewusst machen, wofür du die Schrift nut­zen willst – Web­site und Cor­po­ra­te Design oder – Buch

Als Nächs­tes über­le­ge, wie die Schrift aus­se­hen soll? – tra­di­tio­nell, zeit­ge­mäß oder futu­ris­tisch – robust und fett oder zart und ele­gant – warm und freund­lich oder kühl und kon­stru­iert – spie­le­risch, ernst, laut oder lei­se – ein­zig­ar­tig oder gewöhnlich

Außer­dem kön­nen Schrif­ten mit Asso­zia­tio­nen ver­knüpft wer­den. Wel­che sol­len das sein? – soll sie mit einem Ort oder einer Land­schaft asso­zi­iert wer­den? – oder mit einer bestimm­ten Zeit­epo­che? – oder mit bestimm­ten Per­so­nen, Bevöl­ke­rungs­grup­pen oder Organisationen?

Die Wir­kung einer Schrift ist groß. So wird eine Comic­schrift eher mit Kin­dern in Ver­bin­dung gebracht als mit einem Archi­tek­tur­bü­ro. Und eine Schreib­ma­schi­nen­schrift ver­sinn­bild­licht eine Zeit­epo­che vor dem Com­pu­ter. Und doch ist es wich­tig, nicht zu vor­der­grün­dig zu wäh­len und Kli­schees zu bedie­nen. Lei­der glei­chen sich heu­te Erschei­nungs­bil­der immer mehr an. Beson­ders bei der Gestal­tung dei­ner Mar­ke darfst du ger­ne indi­vi­du­ell auftreten.

Kurz zu den wich­tigs­ten Schrift­ka­te­go­rien
Anti­qua­schrif­ten sind Druck­schrif­ten, die bereits aus dem tra­di­tio­nel­len Blei­satz stam­men und oft Jahr­hun­der­te alt sind. Sie wer­den meist für Fließ­tex­te ver­wen­det und wur­den aus Schreib­schrif­ten ent­wi­ckelt. Des­halb haben die Buch­sta­ben soge­nann­te Seri­fen. Sie sind auch heu­te noch die meist­ver­wen­de­ten Schrif­ten im Buch­satz. Von Hau­se aus bringt dein Com­pu­ter z.B. die Gara­mond, Times oder Book­man mit.

Erst im 19. Jahr­hun­dert ent­wi­ckel­ten sich die soge­nann­ten Line­aran­ti­qua­schrif­ten. Die­se sehen kon­stru­ier­ter aus und haben extrem beton­te Serifen.

Und dann gibt es noch die soge­nann­ten Gro­tesk­schrif­ten, die kom­men gänz­lich ohne Seri­fen aus und ent­stan­den im Prin­zip erst im 20. Jahr­hun­dert. Klas­si­ker sind hier die Hel­ve­ti­ca, Ari­al oder auch die Bau­haus­schrift Futura.

Wei­te­re Kate­go­rien sind z.B. Schreib­schrif­ten, gebro­che­ne Schrif­ten oder Symbolschriften.

Schau noch ein­mal kurz zurück auf dei­ne Zie­le: Geht es um ein Buch oder viel Lese­text, dann soll­te die Schrift ent­spre­chend eine gut les­ba­re sein. Geht es um Blick­fang und wenig Text, darf sie auch aus­ge­fal­len daher­kom­men. Web­schrif­ten müs­sen auch lese­freund­lich gewählt wer­den. Aller­dings wer­den Web­sites mit den Augen eher gescannt, als gele­sen. Hier ist die Form der Buch­sta­ben wich­ti­ger. Z.B. soll­te der Groß­buch­sta­be “I” nicht mit dem Klein­buch­sta­ben “l” ver­wech­selt wer­den können.

Ein Blick auf die Schrift­an­wen­dun­gen
Schrif­ten sind nicht nur in ihrer Form außer­or­dent­lich viel­fäl­tig, son­dern auch in ihren soge­nann­ten Schnit­ten. So wird eine Jugend­stil­schrift oder auch eine Schreib­schrift eher nur ein oder zwei ver­schie­de­ne Vari­an­ten haben, z.B. regu­a­lar und fett oder kur­siv. Im Gegen­satz dazu gibt es Schrif­ten mit 18 oder mehr Vari­an­ten, z.B. von schmal über nor­mal bis hin zu extra­breit oder von extra fein bis extra fett.

Und dann gibt es auch noch Schrif­ten, wie z.B. pro­fes­sio­nel­le Schreib­schrif­ten, die wie­der­um über eine Viel­zahl von ver­schie­de­nen Liga­tu­ren und Alter­na­tiv­buch­sta­ben ver­fü­gen. Hier kommt es schlicht­weg dar­auf an, wel­chen Zweck dei­ne Schrift erfül­len muss.

Ein wei­te­rer Blick gilt dem Zei­chen­um­fang
Noch ein Punkt, den du bei der Schrift­wahl beach­ten soll­test, ist der Zei­chen­um­fang. Eine Schrift kann 100 Gly­phen (Buch­sta­ben) ent­hal­ten oder aber auch zehn­tau­sen­de. Ver­ständ­li­cher­wei­se soll­test du vor­her prü­fen, wie umfang­reich die benö­tig­te Zei­chen­aus­wahl sein soll. Z.B. ist bei mehr­spra­chi­gen Anwen­dun­gen eine grö­ße­re Anzahl von Buch­sta­ben mit Akzen­ten nötig. Ach­te dabei auch auf die pas­sen­den Währungs- und Satzzeichen.

Wo aber nun Schrif­ten fin­den?
Da du im Inter­net prak­tisch in weni­gen Sekun­den tau­sen­de Schrif­ten fin­den kannst, ist es bes­ser, du rich­test dein Augen­merk auf die gro­ßen Anbieter.

https://www.fontsquirrel.com/ und https://fonts.google.com/ bie­ten viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten der geziel­ten Schrift­su­che nach bestimm­ten Kri­te­ri­en und sind prak­tisch kostenfrei.

Vie­le sehr gute lizen­zier­te Schrif­ten fin­dest du in soge­nann­ten Found­rys, z.B. https://www.myfonts.com/. Lizen­zier­te Schrif­ten haben den Vor­teil, dass sie nicht von tau­sen­den Nut­zern ver­wen­det wer­den, da sie bezahlt wer­den müs­sen. Du kannst hier also mit mehr Indi­vi­dua­li­tät punkten.

Zu guter Letzt noch die Font­for­ma­te
Es gibt haupt­säch­lich drei ver­schie­de­ne tech­ni­sche Font­for­ma­te: auf dem Desk­top und zum Buch­druck benö­tigst du .ttf- oder .otf-Schriften. Für den Ein­satz als Web­font ist heu­te das .woff-Format üblich. Es gibt durch­aus Mög­lich­kei­ten der Kon­ver­tie­rung die­ser ver­schie­de­nen Font­for­ma­te. Aller­dings soll­test du vor­ab die Lizenz­be­stim­mun­gen prü­fen, da Desk­top­schrif­ten meist aus­schließ­lich für Desktop-Anwendungen lizen­ziert sind und nicht ein­fach so für Web­sites genutzt wer­den dürfen.

 

Puh – ganz schön viel Input zum Thema Schriften auswählen

Noch ein­mal kurz zusam­men­ge­fasst: Bevor du dich auf die Suche nach einem pas­sen­den Schrift­font machst, über­le­ge dir:
– Wofür soll die Schrift genutzt wer­den? Buch oder Web
– Wel­che Anmu­tung soll­te sie aus­strah­len?
– Zu wel­cher Schrift­ka­te­go­rie zählt die­se Anmu­tung?
– Ent­hält die Aus­er­wähl­te genug Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten? Kur­siv, fett, fein, schmal, breit …
– Ist der Zei­chen­um­fang der Aus­er­wähl­ten aus­rei­chend bis voll­stän­dig?
– Hat die Schrift das rich­ti­ge Fontformat?

 

Und jetzt drei wirklich ultimative Grafik-Tipps:

  • Schrift macht etwas mit dei­nen Tex­ten. Sie ist die Klei­dung dei­ner Tex­te. Wäh­le sie des­halb bewusst aus.
  • Trau dich, unkon­ven­tio­nell zu sein. Höre auf dein Bauch­ge­fühl. Denn gera­de im Cor­po­ra­te Design, also in der Mar­ken­ge­stal­tung, spielt die Typo­gra­fie eine wich­ti­ge Rol­le. Schrift darf schön sein.
  • Ach­te auf Qua­li­tät. Lie­ber ein­mal gekauft, als mehr­fach gewech­selt. Wie über­all im Leben, gibt es auch bei der Qua­li­tät von Schrif­ten enor­me Unterschiede.

 

Hast du Fragen?

Wie zu Beginn der Epi­so­de kurz ange­deu­tet, lie­be ich Schrift und Typo­gra­fie. Und ich durf­te in mei­nen 20 Jah­ren Selbst­stän­dig­keit wirk­lich vie­le Cor­po­ra­te Designs, Bücher und Web­sites gestal­ten. Wenn du lie­ber pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung suchst, dann sprich mich an. Kon­takt­in­for­ma­tio­nen oder auch die Buchung eines kos­ten­frei­en Erst­ge­sprächs fin­dest du auf mei­ner Web­site: www.janaschlosser.de

 

Spoiler für die nächste Episode

In der nächs­ten Epi­so­de gehe ich auf die Fra­ge einer Kun­din ein: Was musst du beach­ten, wenn du ein eige­nes Buch gestal­ten und ver­öf­fent­li­chen willst.

Bis dahin, sei neu­gie­rig,
dei­ne Jana

Meine neuesten Beiträge

Umbruch

Umbruch

Der Umbruch aus klas­si­scher Blei­satz­zeit ist das Syn­onym für das heu­ti­ge Layout.

mehr lesen
#42 Warum du kein Logo brauchst

#42 Warum du kein Logo brauchst

Du brauchst kein Logo, son­dern eine wie­der­erkenn­ba­re Mar­ke, die du in klei­nen Schrit­ten und bewusst gestal­ten kannst. Wel­che das sind, ver­ra­te ich dir in die­ser Episode.

mehr lesen
Steg (1)

Steg (1)

Als Steg bezeich­net man den Abstand des Satz­spie­gels zu den Blattkanten.

mehr lesen

Der Bei­trag hat dir gefal­len? Dann tei­le ihn ger­ne in dei­nem Netzwerk!

Pin It on Pinterest