Jana Schlosser – Podcast – #28 falzen und falten

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#28 Vom Falzen und Falten mit Stil

über Flyer, die Hingucker sind

Der Ver­an­stal­tungs­fly­er einer Kun­din wur­de von mir etwas unge­wöhn­lich gestal­tet. Es ging um eine Klapp­kar­te und das ganz­for­ma­ti­ge Bild­mo­tiv wur­de erst durch Öff­nen der Kar­te sicht­bar – also im Innern. Die Ver­an­stal­tungs­in­for­ma­tio­nen stan­den dem­entspre­chend außen auf der unge­öff­ne­ten Karte.

Uner­war­tet erhielt ich von einer Mit­ar­bei­te­rin der aus­füh­ren­den Dru­cke­rei einen Anruf. Sie woll­te sicher­stel­len, dass das Bild­mo­tiv wirk­lich innen sein soll und die Infor­ma­tio­nen außen. Das fand sie komisch.

Und ich, ich freu­te mich über die­se Auf­merk­sam­keit. Obwohl Fly­eralarm ein Dru­cke­rei­rie­se ist und nicht unbe­dingt für die Qua­li­tät bis ins letz­te Detail garan­tiert, wird natür­lich auch dort von Men­schen­hand gear­bei­tet. Toll, und falls mein Lob mal dort zu Ohren kommt, vie­len Dank.

Hal­lo und herz­lich will­kom­men zu einer neu­en Epi­so­de von SNACKABLE – häpp­chen­wei­se Gra­fik­tipps. Mein Name ist Jana Schlos­ser und ich bin Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­si­gne­rin und bera­ten­de Gestalterin.

Und ja, wie funk­tio­niert denn eigent­lich die­se Fal­te­rei oder Fal­ze­rei? (PS: Ich erlau­be mir an die­ser Stel­le eini­ge Defi­ni­tio­nen und Erklä­run­gen aus dem Blog von Fly­eralarm in Aus­zü­gen zu über­neh­men. Dort wer­den vie­le Erklä­run­gen wun­der­bar auf den Punkt gebracht.)

 

Zuerst einmal: Was bedeutet falzen?

Ein Falz beschreibt den Bruch (Knick- oder Falt­kan­te) von Papier, Kar­ton oder Pap­pe. Im Print­be­reich dient er dazu, Wer­be­mit­tel in meh­re­re Sei­ten zu unterteilen.

 

Ist falzen gleich falten?

Nö. Tat­säch­lich exis­tiert ein Unter­schied zwi­schen dem Fal­zen oder Fal­ten eines Papiers. Wäh­rend man beim Fal­ten von einer Tätig­keit spricht, die per Hand erle­digt wird, erfolgt das Fal­zen eines Papier­bo­gens immer maschinell.

 

Schon gewusst?

Wie oft kann man Papier denn fal­ten? Das Fal­ten von Papier ist ein ein­zi­ges Para­do­xon. Denn mit jedem Bruch ver­dop­pelt sich die Zahl der Papier­la­gen, wäh­rend sich die Flä­che des gefal­te­ten Papiers hal­biert. Das ist auch der Grund dafür, war­um sich ein Papier­bo­gen, egal wie groß sein Aus­gangs­for­mat ist, nicht öfter als sie­ben Mal fal­ten lässt. Bei die­ser letz­ten Fal­tung besitzt der Bogen das 128-fache sei­ner ursprüng­li­chen Stär­ke. Ein 80 g/m² schwe­res Papier mit 0,12 mm Stär­ke ist also gan­ze 15,36 mm dick. Ein 8. Mal fal­ten? Kannst du knicken.

Ich habe es pro­biert. Es geht wirk­lich nicht!

 

Im Fol­gen­den beschrei­be ich kurz die wich­tigs­ten Falt­ar­ten und ihre gestal­te­ri­schen Vor­tei­le. Allen vor­an der Klassiker:

Wickelfalz

Für den Wickel­falz cha­rak­te­ris­tisch: Die Fal­zun­gen ver­lau­fen in glei­cher Rich­tung par­al­lel zuein­an­der. Das geschlos­se­ne Falt­blatt wird von sei­nem Emp­fän­ger also nach und nach, an den Bruch­kan­ten ent­lang, aufgewickelt.

Falt­blät­ter im Wickel­falz geben Infor­ma­tio­nen Stück für Stück preis. Daher eige­nen sie sich her­vor­ra­gend, um Pro­duk­te, Dienst­lei­tun­gen oder gan­ze Unter­neh­men vor­zu­stel­len. Durch das schritt­wei­se Auf­wi­ckeln wer­den dei­ne Leser nicht sofort von einer Mas­se an Fak­ten und Daten über­rollt. Statt­des­sen kön­nen sie nach und nach in dein Port­fo­lio eintauchen.

Und man hat nach dem Öff­nen ein kom­plet­tes inne­res Blatt und eine Rückseite.

 

Ganz anders im

Zickzackfalz oder Leporello

Das wich­tigs­te zuerst: Bei­de Begrif­fe beschrei­ben ein und die­sel­be Falz­art. Der Zick­zack­falz oder Lepo­rellofalz ist das genaue Gegen­teil des Wickel­falz. Zwar wird das Papier auch hier in glei­chen Abstän­den par­al­lel zuein­an­der gefal­tet, die Fal­zung wech­selt jedoch bei jedem Bruch in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung. Was ent­steht, ist eine Art Fächer, der je nach Anzahl der Brü­che unter­schied­lich vie­le Sei­ten auf­wei­sen kann. Das ist prak­tisch unbe­grenzt mach­bar. Im Gegen­satz zum Wickelfalz.

Zick­zack­fal­ze sind sehr beliebt, da sie sich viel­fäl­tig ein­set­zen las­sen. Das Ent­fal­ten geschieht, wie das Umblät­tern von Buch­sei­ten, auf intui­ti­ve Wei­se. So kann sich der Emp­fän­ger ganz auf den Inhalt Ihrer Zickzackfalz-Flyer kon­zen­trie­ren. Sei es ein Image­fol­der, ein Ange­bots­blatt, eine Spei­se­kar­te oder dein Dienst­leis­tungs­port­fo­lio im Taschenformat.

 

Drit­ter Falz-Klassiker ist der

Kreuzbruchfalz

Beim Kreuz­bruch­falz wird im 90° Win­kel abwech­selnd waag­recht und senk­recht gefalzt. Die Bruch­kan­te gleicht einem Kreuz, wodurch die Falz­art zu ihrem Namen kommt. Da der Kreuz­bruch­falz ger­ne mit ande­ren Falz­ar­ten kom­bi­niert wird, gibt es ihn in ver­schie­de­nen For­men. Zum Bei­spiel: Zweibruch-Kreuzfalz, Kreuzbruch-Wickelfalz, Wickel-Kreuzbruchfalz, Zickzack-Kreuzbruchfalz oder Hori­zon­ta­ler Zickzack-Kreuzbruchfalz. Wie auch immer.

Der Kreuz­bruch­falz in sei­nen ver­schie­de­nen Anwen­dun­gen eig­net sich beson­ders, wenn du viel zu sagen hast. Denn gera­de durch die mög­li­che Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Falz­ar­ten, eig­nen sich Falt­blät­ter im Kreuz­bruch­falz aus­ge­zeich­net für umfang­rei­che Pro­dukt­vor­stel­lun­gen oder Image­kam­pa­gnen. Das Auf­fal­ten, wie eine Land­kar­te oder Zei­tung, ver­setzt dei­ne Leser in Stau­nen. Denn erst mit dem voll­stän­di­gen Ent­fal­ten wird der Blick auf die gan­ze Brei­te dei­nes Ange­bo­te sichtbar.

 

Noch zwei wei­te­re Falz­for­men möch­te ich kurz anreißen:

Fensterfalz oder Altarfalz

Fens­ter­falz und Altar­falz beschrei­ben ein und die­sel­be Falz­art. Hier­bei wer­den die bei­den außen­lie­gen­den Sei­ten eines Papier­bo­gens zu glei­chen Tei­len und ohne Über­lap­pung nach innen geklappt. Das geschlos­se­ne End­for­mat gleicht einem Fens­ter mit Fens­ter­lä­den oder auch einer Flügeltür.

Durch das gera­de­zu fest­li­che Öff­nen von Fensterfalz-Flyern und Falt­blät­tern sind die­se prä­de­sti­niert für die Ankün­di­gung oder Beglei­tung nobler Ver­an­stal­tun­gen. So etwa als Thea­ter Book­let oder als Pro­gramm­heft auf Galas, Kon­zer­ten und mehr.

 

Quadratfalz

Die Basis des Qua­drat­falz bil­det das qua­dra­ti­sche Zen­trum des Papier­bo­gens. Die­ses wird zu allen vier Sei­ten mit gleich gro­ßen, qua­dra­ti­schen Flü­geln aus­ge­rüs­tet. Die Flü­gel wer­den so gefalzt, dass sie sich nach innen ein­klap­pen las­sen. Der mehr­sei­ti­ge Fly­er ent­fal­tet sich also aus der Mit­te her­aus – ähn­lich wie ein Wür­fel oder eine Geschenkbox.

Falt­blät­ter im Qua­drat­falz sind allein schon durch ihre Form ein beson­de­rer Hin­gu­cker und wer­den daher ger­ne für aus­ge­fal­le­ne Pro­mo­ti­on und Aktio­nen ver­wen­det. Durch das ori­gi­nel­le Ent­fal­ten springt Ihre Wer­be­bot­schaft dem Emp­fän­ger gera­de­zu ins Auge.

Sie sind in der Pro­duk­ti­on aller­dings auch auf­wän­di­ger. Schließ­lich muss die Form mit den Flü­gel­sei­ten vor­ab aus­ge­stanzt werden.

 

Summa: Es gibt nichts, was es nicht gibt

Neben die­sen gän­gi­gen Falz­ar­ten gibt es noch vie­le wei­te­re aus­ge­klü­gel­te Fal­zun­gen. Son­der­for­men des Zick­zack­falz mit Falt­blät­tern im Treppen- oder Pyra­mi­den­falz. Usw.

Ich möch­te dich hier­mit sehr ger­ne inspi­rie­ren, Falz­ar­ten in die gestal­te­ri­schen Über­le­gun­gen mit ein­zu­be­zie­hen. Sie bie­ten, wie schon ange­deu­tet, eine wun­der­ba­re Mög­lich­keit, die Auf­merk­sam­keit dei­ner Leser zu fesseln.

 

Noch ein Tipp:

Und da ich ja in mei­ner Ankün­di­gung von der Vor­weih­nachts­zeit sprach, hier jetzt noch ein ganz prak­ti­scher Tipp für die Her­stel­lung in Eigen­pro­duk­ti­on. Wenn du auf dei­nem Dru­cker nur eini­ge weni­ge Kar­ten aus­druckst, dann ver­wen­de unbe­dingt etwas stär­ke­ren Kar­ton als das nor­ma­le 90-g-Papier. Wenn mög­lich auch far­bi­ge Kar­tons. Und um dann genau an der rich­ti­gen Stel­le den Falz der Kar­te hin­zu­krie­gen und ein rei­ßen oder bre­chen zu ver­mei­den, nut­ze einen klei­nen Küchen­trick: Ril­le die Falz­li­nie vor­ab. Dazu legst du die Kan­te eines Line­als oder Brett­chens genau an der Falz­li­nie an und fährst dann mit der stump­fen Sei­te eines Küchen­mes­sers an eben die­ser Kan­te ent­lang. Dabei ent­steht eine Ril­le, die dann die Bruch­kan­te beim Fal­zen des Papiers ergibt.

Ril­len und Nuten sind übri­gens ein und der­sel­be Fach­aus­druck für das mecha­ni­sche Ein­drü­cken von Falz­brü­chen vor dem Fal­zen, das ein Auf­bre­chen des Papiers oder der Far­be ver­hin­dern soll.

 

Und noch ein zweiter Tipp:

Es lohnt sich, bevor du mit der Gestal­tung dei­nes Faltblattes/Flyers anfängst, ein­fach erst ein­mal mit einem wei­ßen Blatt Dum­mys zu bas­teln und auf allen ent­ste­hen­den Sei­ten kurz fest­zu­hal­ten, wel­cher Inhalt dort­hin kom­men soll. Aus­ein­an­der gefal­tet erge­ben sich man­che Kopf-über-Positionen, die man sich vor­her gar nicht vor­stel­len konn­te. Also genau testen.

 

Konnte ich dich inspirieren?

Dann freue ich mich über ein Feed­back und auch, wenn du mir eine Ster­ne­be­wer­tung gibst. Und wenn du Fach­fra­gen hast, dann ger­ne her damit. Ich beant­wor­te sie dann in einer der nächs­ten Fol­gen. Versprochen.

 

Spoiler für die nächste Woche

Da spre­che über die soge­nann­te „Blei­wüs­te“ – d.h. über nicht for­ma­tier­te Tex­te und die optisch schwer ver­dau­li­che Wör­ter­flut. Und natür­lich, was du tun kannst, um genau die­se Ver­dau­ungs­pro­ble­me von Tex­ten zu beseitigen.

Bis dahin, bleib neu­gie­rig.
Dei­ne Jana

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