Jana Schlosser – Setzerwissen – Zwiebelfisch
Jana Schlosser – Setzerwissen – Zwiebelfisch

Zwiebelfisch

Falsch sortiert

Ein im Text auf dem Kopf ste­hen­der Buch­sta­be oder ein Buch­sta­be, der ver­se­hent­lich aus einer fal­schen Schrift­art kommt.
Stin­kend.

Zwie­bel­fi­sche stam­men aus der Zeit des mate­ri­el­len Schrift­sat­zes. Und es gab drei ver­schie­de­ne For­men die­ses Tier­chens:
⭐️ ein Buch­sta­be steht auf dem Kopf. Zu sehen war dann ent­we­der ein Recht­eck oder zwei Qua­dra­te, unter­bro­chen von einer Ril­le dazwi­schen.
⭐️ ein Buch­sta­be aus einer ande­ren Schrift­gat­tung, Schrift­art oder Schrift­schnitt. Das konn­te durch fal­sche Sor­tie­rung der Buch­sta­ben (Let­tern) in den Setz­käs­ten pas­sie­ren. Oder auch durch Unauf­merk­sam­keit der Schrift­set­zer, die in den fal­schen Kas­ten grif­fen.
⭐️ es han­delt sich um einen zusam­men­ge­fal­le­nen Schrift­satz. Da der Schrift­satz mit einer Kolum­nen­schnur zusam­men­ge­hal­ten wird und auf dem Setz­schiff trans­por­tiert, kann es schon mal pas­sie­ren, dass so ein gan­zes Satz­pa­ket ver­rutscht oder aus­ein­an­der fällt. Das Hin­ter­grund­bild die­ses Bei­trags ist übri­gens genau solch ein zusam­men­ge­fal­le­ner Schriftsatz.

Von 1909 bis 1933 gab es eine Zeit­schrift mit dem Namen „Zwie­bel­fisch“. Die­ser wur­de vom Ver­le­ger Hans von Weber her­aus­ge­ge­ben. Es han­del­te sich um eine „klei­ne Zeit­schrift für Geschmack in Büchern und ande­ren Dingen“.

War­um aber „Zwie­bel­fisch“? Die Fische 🐟🐟🐟🐡🐟🐟 sind sozu­sa­gen der Schwarm, in wel­chen sich ein Fisch ande­rer Art oder Gat­tung ver­irrt hat. Und die Zwie­bel 🧅 stinkt. Es war sozu­sa­gen ein zum Him­mel stin­ken­der Feh­ler im Set­zer­ge­wer­be. Dras­tisch, aber bes­tens ausgedrückt.

Ein Set­zer, der nicht beson­ders ordent­lich arbei­te­te und der häu­fig Zwie­bel­fi­sche im Schrift­satz fabri­zier­te, wur­de übri­gens Zwie­bel­fisch­krä­mer genannt. Schimpf und Schande.

In mei­ner Schrift­satz­ab­bil­dung tum­meln sich 7 Zwie­bel­fi­sche. Fin­dest du sie?

 

Ach­tung! Es gibt ihn, den moder­nen Zwie­bel­fisch!
Inzwi­schen habe ich durch diver­se Rück­mel­dun­gen zu die­sem Bei­trag erfah­ren, dass durch die Nut­zung von Copy-and-Paste immer wie­der For­ma­tie­run­gen ande­rer Tex­te in neue Tex­te über­nom­men wer­den. Die­se sind nicht iden­tisch mit dem neu­en Text und füh­ren zu unschö­nen und unge­woll­ten Ver­mi­schun­gen. Das betrifft dann aller­dings nicht nur ein­zel­ne Buch­sta­ben, son­dern oft gan­ze Absätze. 

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