Falten und Falzen

Falzen und falten – SNACKABLE – häppchenweise Grafiktipps

#28 – Papiertonne oder Hingucker?

Vom Falten und Falzen und Flyern mit Stil

Du überlegst, zum Jahreswechsel einen neuen Flyer mit deinem aktuellen Angebot zu versenden? Eine gute Gelegenheit sich bei den Kunden in Erinnerung zu rufen. Doch wie werden sie ein Hingucker?

In dieser Episode spreche ich über das Falten und Falzen verschiedener Flyer und welche Formen sich ganz besonders gut welche Zwecke eignen.

Doch vorab: Weist du eigentlich, wie oft man ein Blatt Papier falten kann? Egal, wie groß das Format ist, die Anzahl des Faltens ist begrenzt. Tipp doch jetzt gleich mal vorab! Die Auflösung erzähle ich dir in der Episode 😉.

Doch tatsächlich gehe ich in dieser Folge auf folgende Themen ein:
⭐️ Welche gängigen Falzarten gibt es?
⭐️ Welcher Falz eignet sich am besten wofür?
⭐️ Und ich verrate dir zwei Tricks zum Thema Rillen und Vorlagenaufbau.

Die Aufzeichnung

„Schief gewickelt oder quer gefalzt“

Der Veranstaltungsflyer einer Kundin wurde von mir etwas ungewöhnlich gestaltet. Es ging um eine Klappkarte und das ganzformatige Bildmotiv wurde erst durch Öffnen der Karte sichtbar – also im Innern. Die Veranstaltungsinformationen standen dementsprechend außen auf der ungeöffneten Karte.

Unerwartet erhielt ich von einer Mitarbeiterin der ausführenden Druckerei einen Anruf. Sie wollte sicherstellen, dass das Bildmotiv wirklich innen sein soll und die Informationen außen. Das fand sie komisch.

Und ich, ich freute mich über diese Aufmerksamkeit. Obwohl Flyeralarm ein Druckereiriese ist und nicht unbedingt für die Qualität bis ins letzte Detail garantiert, wird natürlich auch dort von Menschenhand garbeitet. Toll, und falls mein Lob mal dort zu Ohren kommt, vielen Dank.

Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Episode von SNACKABLE – häppchenweise Grafiktipps. Mein Name ist Jana Schlosser und ich bin Kommunikationsdesignerin und beratende Gestalterin.

Und ja, wie funktioniert denn eigentlich dieses Falten oder Falzen? (PS: Ich erlaube mir an dieser Stelle einige Definitionen und Erklärungen aus dem Blog von Flyeralarm in Auszügen zu übernehmen. Dort werden viele Erklärungen wunderbar auf den Punkt gebracht.)

Zuerst einmal: Was bedeutet falzen?

Ein Falz beschreibt den Bruch (Knick- oder Faltkante) von Papier, Karton oder Pappe. Im Printbereich dient er dazu, Werbemittel in mehrere Seiten zu unterteilen.

Ist falzen gleich falten?

Nö. Tatsächlich existiert ein Unterschied zwischen dem Falzen oder Falten eines Papiers. Während man beim Falten von einer Tätigkeit spricht, die per Hand erledigt wird, erfolgt das Falzen eines Papierbogens immer maschinell.

Schon gewusst?

Wie oft kann man Papier denn falten? Das Falten von Papier ist ein einziges Paradoxon. Denn mit jedem Bruch verdoppelt sich die Zahl der Papierlagen, während sich die Fläche des gefalteten Papiers halbiert. Das ist auch der Grund dafür, warum sich ein Papierbogen, egal wie groß sein Ausgangsformat ist, nicht öfter als sieben Mal falten lässt. Bei dieser letzten Faltung besitzt der Bogen das 128-fache seiner ursprünglichen Stärke. Ein 80 g/m² schweres Papier mit 0,12 mm Stärke ist also ganze 15,36 mm dick. Ein 8. Mal falten? Kannst du knicken.

Ich habe es probiert. Es geht wirklich nicht!

Im Folgenden beschreibe ich kurz die wichtigsten Faltarten und ihre gestalterischen Vorteile. Allen voran der Klassiker:

Wickelfalz

Für den Wickelfalz charakteristisch: Die Falzungen verlaufen in gleicher Richtung parallel zueinander. Das geschlossene Faltblatt wird von seinem Empfänger also nach und nach, an den Bruchkanten entlang, aufgewickelt.

Faltblätter im Wickelfalz geben Informationen Stück für Stück preis. Daher eigenen sie sich hervorragend, um Produkte, Dienstleitungen oder ganze Unternehmen vorzustellen. Durch das schrittweise Aufwickeln werden deine Leser nicht sofort von einer Masse an Fakten und Daten überrollt. Stattdessen können sie nach und nach in dein Portfolio eintauchen.

Und man hat nach dem Öffnen ein komplettes inneres Blatt und eine Rückseite.

Ganz anders im

Zickzackfalz oder Leporello

Das wichtigste zuerst: Beide Begriffe beschreiben ein und dieselbe Falzart. Der Zickzackfalz oder Leporellofalz ist das genaue Gegenteil des Wickelfalz. Zwar wird das Papier auch hier in gleichen Abständen parallel zueinander gefaltet, die Falzung wechselt jedoch bei jedem Bruch in die entgegengesetzte Richtung. Was entsteht, ist eine Art Fächer, der je nach Anzahl der Brüche unterschiedlich viele Seiten aufweisen kann. Das ist praktisch unbegrenzt machbar. Im Gegensatz zum Wickelfalz.

Zickzackfalze sind sehr beliebt, da sie sich vielfältig einsetzen lassen. Das Entfalten geschieht, wie das Umblättern von Buchseiten, auf intuitive Weise. So kann sich der Empfänger ganz auf den Inhalt Ihrer Zickzackfalz-Flyer konzentrieren. Sei es ein Imagefolder, ein Angebotsblatt, eine Speisekarte oder dein Dienstleistungsportfolio im Taschenformat.

Dritter Falz-Klassiker ist der

Kreuzbruchfalz

Beim Kreuzbruchfalz wird im 90° Winkel abwechselnd waagrecht und senkrecht gefalzt. Die Bruchkante gleicht einem Kreuz, wodurch die Falzart zu ihrem Namen kommt. Da der Kreuzbruchfalz gerne mit anderen Falzarten kombiniert wird, gibt es ihn in verschiedenen Formen. Zum Beispiel: Zweibruch-Kreuzfalz, Kreuzbruch-Wickelfalz, Wickel-Kreuzbruchfalz, Zickzack-Kreuzbruchfalz oder Horizontaler Zickzack-Kreuzbruchfalz. Wie auch immer.

Der Kreuzbruchfalz in seinen verschiedenen Anwendungen eignet sich besonders, wenn du viel zu sagen hast. Denn gerade durch die mögliche Kombination mit anderen Falzarten, eignen sich Faltblätter im Kreuzbruchfalz ausgezeichnet für umfangreiche Produktvorstellungen oder Imagekampagnen. Das Auffalten, wie eine Landkarte oder Zeitung, versetzt deine Leser in Staunen. Denn erst mit dem vollständigen Entfalten wird der Blick auf die ganze Breite deines Angebots sichtbar.

Noch zwei weitere Falzformen möchte ich kurz anreißen:

Fensterfalz oder Altarfalz

Fensterfalz und Altarfalz beschreiben ein und dieselbe Falzart. Hierbei werden die beiden außenliegenden Seiten eines Papierbogens zu gleichen Teilen und ohne Überlappung nach innen geklappt. Das geschlossene Endformat gleicht einem Fenster mit Fensterläden oder auch einer Flügeltür.

Durch das geradezu festliche Öffnen von Fensterfalz-Flyern und Faltblättern sind diese prädestiniert für die Ankündigung oder Begleitung nobler Veranstaltungen. So etwa als Theater Booklet oder als Programmheft auf Galas, Konzerten und mehr.

Quadratfalz

Die Basis des Quadratfalz bildet das quadratische Zentrum des Papierbogens. Dieses wird zu allen vier Seiten mit gleich großen, quadratischen Flügeln ausgerüstet. Die Flügel werden so gefalzt, dass sie sich nach innen einklappen lassen. Der mehrseitige Flyer entfaltet sich also aus der Mitte heraus – ähnlich wie ein Würfel oder eine Geschenkbox.

Faltblätter im Quadratfalz sind allein schon durch ihre Form ein besonderer Hingucker und werden daher gerne für ausgefallene Promotion und Aktionen verwendet. Durch das originelle Entfalten springt Ihre Werbebotschaft dem Empfänger geradezu ins Auge.

Sie sind in der Produktion allerdings auch aufwändiger. Schließlich muss die Form mit den Flügelseiten vorab ausgestanzt werden.

Fazit: Es gibt nichts, was es nicht gibt!

Neben diesen gängigen Falzarten gibt es noch viele weitere ausgeklügelte Falzungen. Sonderformen des Zickzackfalzes mit Faltblättern im Treppen- oder Pyramidenfalz. Usw.

Ich möchte dich hiermit sehr gerne inspirieren, Falzarten in die gestalterischen Überlegungen mit einzubeziehen. Sie bieten, wie schon angedeutet, eine wunderbare Möglichkeit, die Aufmerksamkeit deiner Leser zu fesseln.

Noch ein Tipp:

Und da ich ja in meiner Ankündigung von der Vorweihnachtszeit sprach hier jetzt noch ein ganz praktischer Tipp für die Herstellung in Eigenproduktion. Wenn du auf deinem Drucker nur einige wenige Karten ausdruckst, dann verwende unbedingt etwas stärkeren Karton als das normale 90-g-Papier. Wenn möglich auch farbige Kartons. Und um dann genau an der richtigen Stelle den Falz der Karte hinzukriegen und ein reißen oder brechen zu vermeiden, nutze einen kleinen Küchentrick: Rille die Falzlinie vorab. Dazu legst du die Kante eines Lineals oder Brettchens genau an der Falzlinie an und fährst dann mit der stumpfen Seite eines Küchenmessers an eben dieser Kante entlang. Dabei entsteht eine Rille, die dann die Bruchkante beim Falzen des Papiers ergibt.

Rillen und Nuten sind übrigens ein und derselbe Fachausdruck für das mechanische Eindrücken von Falzbrüchen vor dem Falzen, das ein Aufbrechen des Papiers oder der Farbe verhindern soll.

Und noch ein zweiter Tipp:

Es lohnt sich, bevor du mit der Gestaltung deines Faltblattes/Flyers anfängst, einfach erst einmal mit einem weißen Blatt Dummys zu basteln und auf allen entstehenden Seiten kurz festzuhalten, welcher Inhalt dorthin kommen soll. Auseinander gefaltet ergeben sich manche Kopf-über-Positionen, die man sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Also genau testen.

Konnte ich dich inspirieren?

Dann freue ich mich über ein Feedback und auch wenn du mir eine Sternebewertung gibst. Und wenn du Fachfragen hast, dann gerne her damit. Ich beantworte sie dann in einer der nächsten Folgen. Versprochen.

Spoiler für die nächste Episode

Da spreche über die sogenannte „Bleiwüste“ – d.h. über nicht formatierte Texte und die optisch schwer verdauliche Wörterflut. Und natürlich, was du tun kannst, um genau diese Verdauungsprobleme von Texten zu beseitigen. Denn deine Texte sollen doch gelesen werden, oder?

Bis dahin, sei neugierig,
Deine Jana

Hören kannst du diese Episode übrigens auf allen gängigen Podcast-Apps.
Schau doch mal hier, da habe ich die Wichtigsten verlinkt.