Jana Schlosser – Podcast – #31 Schönheit ist nicht diskutabel – oder doch?
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Schusterjunge

Ausgangszeile

Der Schus­ter­jun­ge ist die ers­te Zei­le eines Absat­zes am Ende einer neu­en Spal­te oder Sei­te.
Er ist der klei­ne Bru­der vom Huren­kind.

Der Schus­ter­jun­ge ist ein typo­gra­fi­scher Umbruch­feh­ler, bei dem in einem Schrift­satz die ers­te Zei­le oder sogar auch die Über­schrift eines neu­en Absat­zes irr­tüm­lich als ein­zel­ne Zei­le am Ende einer Sei­te steht. Die­ser stört den Lese­fluss und gilt als ästhe­tisch unvor­teil­haft im Schriftsatz.

Ist die­se Aus­gangs­zei­le am Ende einer Spal­te, spricht man übri­gens von Waisenkind.

In den Grund­ein­stel­lun­gen der klas­si­schen Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­me kann die Ver­mei­dung die­ses Feh­lers in den For­matein­stel­lun­gen der Absatz­kon­trol­le vor­ein­ge­stellt werden.

Den Begriff des Schus­ter­jun­gen gibt es erst ab Ende des 19. Jahr­hun­derts. Er wur­de, wie so vie­le ande­re Ter­mi­ni, bei der Aus­bil­dung von Hand- und Maschi­nen­schrift­set­zern in Zei­tungs­ver­la­gen und gro­ßen Buch­dru­cke­rei­en ein­ge­führt, um die bis dahin vor­herr­schen­de Fach­spra­che auch weni­ger gebil­de­ten „Steh­kra­gen­pro­le­ta­ri­ern“* erklär­bar zu machen.

So ganz neben­bei ist das Wort ein klas­si­sches Tee­kes­sel­chen, denn der Schus­ter­jun­ge ist:
⭐️ eben die­ser oben beschrie­be­ne typo­gra­fi­sche Umbruch­feh­ler,
⭐️ eine Ber­li­ner Bröt­chen­art aus dunk­lem Teig,
⭐️ das Kind eines Schusters

* aus Typo­le­xi­kon von Wolf­gang Bei­nert (https://www.typolexikon.de)

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